← Alle Playbooks
Playbook· setup

KI für Selbstständige, Angebote und Kundenmails in der halben Zeit schreiben

Angebote, Nachfass-Mails und Absagen fressen als Solo-Selbstständiger jede Woche Stunden. Mit einem festen KI-Setup schreibst Du sie in 10 bis 15 Minuten statt in einer Stunde, ohne dass es nach Bausatz klingt. 10 Schritte vom leeren Chat zum verlässlichen Schreib-Assistenten.

Als Solo-Selbstständiger schreibst Du mehr, als Dir lieb ist. Ein Angebot hier, eine Nachfass-Mail dort, eine höfliche Absage an eine Anfrage die nicht passt. Ich habe mal eine Woche mitgezählt und kam auf elf schriftliche Kundenkontakte, die zusammen fast vier Stunden gekostet haben. Nicht weil die Texte schwer waren, sondern weil ich jedes Mal bei Null angefangen habe.

Genau dafür ist KI im Alltag gut, nicht für den einen genialen Text, sondern für die zwanzig soliden Standard-Texte pro Woche die Du sowieso schreiben musst. Dieses Playbook zeigt Dir ein festes Setup, mit dem Du Angebote, Mails und Absagen in 10 bis 15 Minuten fertig hast statt in einer Stunde. Es ist für Freelancer, Coaches, Handwerker mit eigenem Betrieb, Berater und alle die ohne Team arbeiten. Kein Terminal, keine API, ein normaler ChatGPT- oder Claude-Account reicht.

Schritt 1, sammle Deine drei häufigsten Schreib-Aufgaben

Bevor Du irgendein Tool aufmachst, schreib auf welche Texte Du wirklich oft brauchst. Bei den meisten Selbstständigen sind es dieselben drei, ein Angebot nach einem Erstgespräch, eine Nachfass-Mail wenn sich niemand meldet, und eine freundliche Absage. Vielleicht kommt bei Dir noch eine Terminbestätigung oder eine Rechnungs-Erinnerung dazu.

Nimm die drei häufigsten. Für jede suchst Du zwei bis drei echte Beispiele aus Deinem Postausgang raus, die gut funktioniert haben. Diese Beispiele sind später Gold wert, weil die KI aus ihnen Deinen Ton lernt statt sich einen auszudenken.

Schritt 2, leg ein Stil-Profil an das die KI jedes Mal mitliest

Der größte Zeitfresser ist, dass Du der KI in jedem neuen Chat erklärst wer Du bist. Das machst Du genau einmal. Schreib eine kurze Stil-Karte, fünf bis acht Zeilen, mit Deiner Rolle ("Ich bin selbstständige Grafikdesignerin, Kunden sind kleine Betriebe im DACH-Raum"), Deinem Ton ("freundlich, direkt, kein Werbe-Sprech"), und Deinen Anti-Mustern ("keine Floskeln wie sehr geehrte Damen und Herren, kein im heutigen schnelllebigen Markt").

In Claude legst Du das als Project ab, in ChatGPT als Custom Instructions oder als eigener GPT. Beide lesen das bei jedem Chat automatisch mit. Wenn Du das nicht nutzen willst, reicht auch eine Textdatei auf dem Desktop die Du oben in den Chat kopierst. Wichtig ist nur, dass Du es nicht jedes Mal neu tippst.

Schritt 3, gib der KI immer die Fakten, nie die Formulierung

Der Fehler den fast alle machen, sie schreiben "Formuliere mir ein freundliches Angebot für einen Kunden". Dann kommt ein generischer Text, den Du komplett umschreiben musst. Dreh es um. Gib die harten Fakten in Stichpunkten und lass die KI daraus den Fließtext bauen.

Also, Kunde heißt Bäckerei Krüger, will einen neuen Online-Shop, Budget grob 4.000 Euro, Zeitrahmen sechs Wochen, drei Feedback-Runden inklusive. Aus diesen fünf Zeilen macht die KI ein sauberes Angebot. Du prüfst nur noch Zahlen und Ton, statt selbst zu texten.

Schritt 4, bau Dir drei feste Prompt-Vorlagen

Jetzt wird es konkret. Für jede Deiner drei Aufgaben schreibst Du eine Vorlage die Du immer wiederverwendest. Eine Angebots-Vorlage sieht zum Beispiel so aus, "Schreib ein Angebot auf Basis dieser Fakten: [FAKTEN]. Nutze meinen Stil aus dem Profil. Struktur, kurze Anrede, was ich liefere, Preis, nächster Schritt. Maximal 200 Wörter."

Die eckigen Klammern sind die einzige Stelle die Du pro Kunde austauschst. Speicher die drei Vorlagen dort wo Du sie in zwei Sekunden findest, in einer Notiz-App, als Textbaustein oder als gespeicherte Prompts. Ab jetzt ist ein Angebot ein Copy-Paste plus fünf Zeilen Fakten.

Schritt 5, lass immer zwei Varianten liefern

Häng an jede Vorlage den Satz "Gib mir zwei Varianten, eine sachlich-knapp und eine wärmer". Das kostet die KI keine extra Zeit, Dir aber spart es die Runde in der Du sagst "etwas freundlicher bitte". Du liest zwei Versionen, nimmst die bessere oder mischst zwei Sätze. In der Praxis nehme ich in etwa der Hälfte der Fälle die knappe Variante und passe zwei Wörter an.

Schritt 6, prüf jede Zahl und jeden Namen von Hand

Das ist die eine Stelle an der Du niemals abkürzen darfst. KI-Modelle erfinden gelegentlich Details, ein falsches Datum, einen Preis den Du nie genannt hast, einen Firmennamen mit Tippfehler. Das nennt sich Halluzination und passiert auch den besten Modellen. Wenn das in einem Angebot landet, ist es peinlich oder teuer.

Mach Dir eine feste Regel, bevor eine Mail rausgeht liest Du Zahlen, Namen und Termine einmal gegen Deine Notizen. Das dauert 30 Sekunden und ist Dein Sicherheitsnetz. Mehr zu dem Thema steht in der Lektion über Halluzinationen.

Schritt 7, halte Kundendaten aus dem Prompt raus wo es geht

Als Selbstständiger arbeitest Du mit fremden Daten, und dafür gilt die DSGVO auch für Dich. Für ein Angebot brauchst Du selten den vollen Klarnamen plus Adresse plus Telefonnummer im Chat. Nutze Platzhalter wie "der Kunde" oder nur den Vornamen, und setz die echten Daten erst beim Feintuning in Deinem Mailprogramm ein.

Wenn Du sensible Daten verarbeitest, schau ob Dein Tool einen Geschäfts-Tarif mit Datenschutz-Zusage bietet, bei dem Deine Eingaben nicht fürs Training verwendet werden. Die Details dazu stehen im Playbook Datenschutz mit KI-Tools.

Schritt 8, richte einen Textbaustein für Nachfass-Mails ein

Die Nachfass-Mail ist die Aufgabe die am meisten Zeit spart, weil sie am nervigsten ist. Niemand fasst gern nach. Bau Dir eine Vorlage die aus dem letzten Kontakt eine kurze, nicht aufdringliche Erinnerung macht, "Der Kunde hat vor acht Tagen ein Angebot bekommen, hat nicht geantwortet. Schreib eine kurze freundliche Nachfrage, maximal 80 Wörter, keine Rabatt-Erwähnung, ein klarer nächster Schritt."

Bei mir läuft das mittlerweile jeden Freitagvormittag in einem Rutsch. Ich öffne die offenen Angebote, werfe pro Kunde drei Zeilen Kontext rein und habe fünf Nachfass-Mails in zehn Minuten. Vorher habe ich das wochenlang aufgeschoben, was mich echte Aufträge gekostet hat.

Schritt 9, mach die Absage zur 2-Minuten-Aufgabe

Absagen schreibt keiner gern, deshalb bleiben sie liegen und dann fühlt sich der Anfrager ignoriert. Eine gute, freundliche Absage hält die Tür für später offen. Vorlage, "Schreib eine höfliche Absage auf diese Anfrage: [ANFRAGE]. Grund ist [ausgelastet / passt nicht zum Profil / Budget zu klein]. Ton warm, kurz, biete an sich in drei Monaten wieder zu melden falls sinnvoll."

Der Trick ist der Grund in Klammern. Du gibst ihn ehrlich an, die KI verpackt ihn diplomatisch. So klingt auch eine Budget-Absage nicht abweisend, und Du bist in zwei Minuten durch.

Schritt 10, führe einen Ordner mit Deinen besten Ergebnissen

Jedes Mal wenn ein Text richtig gut war, kopier ihn in einen Ordner oder eine Notiz "Gute Vorlagen". Nach vier Wochen hast Du eine kleine Sammlung Deiner besten Angebote und Mails. Die fütterst Du bei Bedarf zurück in Dein Stil-Profil, dann werden die Ergebnisse mit der Zeit immer mehr nach Dir und immer weniger nach KI.

Genau das ist der Unterschied zwischen "ich benutze manchmal ChatGPT" und einem echten System. Das System baut sich mit jeder Woche selbst weiter aus, ohne dass Du extra Arbeit reinsteckst.

Was als nächstes

Wenn dieses Setup steht und Du merkst dass Du Deine Prompts immer wieder verfeinerst, ist das Playbook Prompt-Bibliothek aufbauen der logische nächste Schritt. Und wer verstehen will warum die zwei-Varianten-Regel aus Schritt 5 so gut funktioniert, findet das Handwerk dahinter in Level 2, den Lektionen über Prompting und System-Prompts.

Quellen

  • Claude Projects, offizielle Doku, https://support.anthropic.com/en/articles/9517075-what-are-projects
  • ChatGPT Custom Instructions, offizielle Doku, https://help.openai.com/en/articles/8096356-custom-instructions-for-chatgpt