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Von ChatGPT zu Codex. Anleitung in 10 Schritten

Seit dem Juli-Umbau steckt Codex in der ChatGPT-App und ist in jedem Plan drin, auch im kostenlosen. Zehn Schritte von der ersten Aufgabe bis zur Gewohnheit, mit den echten Limits.

Codex ist das Werkzeug, das die meisten ChatGPT-Nutzer haben und nie öffnen. Es ist nicht ChatGPT mit anderem Namen, es führt echte Aufgaben aus statt nur zu antworten. Seit Juli 2026 sitzt es zudem an einer anderen Stelle als in den meisten Anleitungen, die Du im Netz findest. Hier ist der aktuelle Weg, in zehn Schritten.

1. Codex finden, nach dem Umbau vom 9. Juli

Wenn Du eine ältere Anleitung liest, sucht die eine eigene Codex-App. Die gibt es nicht mehr. Am 9. Juli 2026 hat OpenAI drei Dinge in eine einzige Desktop-App für Mac und Windows zusammengelegt, und Codex sitzt seitdem dort als eigener Bereich neben Chat und Work. Die alte separate ChatGPT-App heißt jetzt ChatGPT Classic.

Drei Wege hinein: die neue Desktop-App, ChatGPT im Browser, oder die Erweiterung in Deinem Editor. Wenn Du nichts installieren willst, nimm den Browser und such im linken Menü nach dem Codex-Bereich.

Der zweite Teil des Umbaus ist der wichtigere: Codex ist jetzt in jedem Plan enthalten, auch im kostenlosen. Der Satz "dafür brauchst Du mindestens Plus", der in vielen Anleitungen steht, stimmt seit Juli nicht mehr. Kostenlos bekommst Du die mittlere Modellstufe und ein kleineres Kontingent, aber Du kommst rein.

Ein Tipp: Setz Dir kein Lesezeichen auf eine Unterseite. Die frühere Fassung dieses Playbooks empfahl genau das mit der Begründung "die UI ändert sich, aber der Pfad bleibt". Das war falsch. Beim Umbau sind auch Pfade umgezogen, die Entwicklerdokumentation etwa leitet inzwischen auf eine neue Adresse weiter. Merk Dir den Namen des Bereichs, nicht die URL.

Zu den Modellen: Codex läuft auf OpenAIs 5.6-Generation, und die hat drei Stufen. Sol ist die stärkste und ausdrücklich fürs Programmieren und für mehrschrittige Aufgaben gedacht, Terra ist der ausgewogene Alltag, Luna die schnelle günstige Stufe. Wer den ganzen Tag Aufgaben durchschiebt, fährt mit einer kleineren Stufe oft besser, weil er nicht nach drei Stunden am Limit steht. Welches Modell wofür, steht in Modell-Landschaft 2026.

2. Was Codex anders macht als ChatGPT

ChatGPT antwortet Dir. Codex führt aus. Du gibst eine echte Aufgabe rein, Codex dreht einen isolierten Container in der Cloud auf, macht die Arbeit, und gibt Dir das Ergebnis zurück. Es ist wie ChatGPT mit Händen.

Ein Tipp: Die erste Aufgabe soll langweilig und konkret sein. Eine PDF zusammenfassen, eine lange Mail umschreiben, eine Excel-Liste sortieren. Alles was Du sonst einem Praktikanten geben würdest.

3. Der erste Lauf in unter fünf Minuten

Im Codex-Bereich hast Du zwei Betriebsarten nebeneinander: fragen und ausführen lassen. Die Beschriftungen dafür haben in der Vergangenheit gewechselt, lange hießen sie "Ask" und "Code". Der Unterschied bleibt derselbe: Fragen verhält sich wie ChatGPT und antwortet Dir, Ausführen dreht einen Container auf und macht die Arbeit wirklich. Nimm eine echte Sache, die Du diese Woche von Hand erledigt hast, pack sie rein, wähl die ausführende Variante, warte.

Ein Tipp: Sei konkret mit dem Ausgabeformat. "Bullet-Liste" ist schwächer als "Tabelle mit drei Spalten: Aufgabe, verantwortlich, bis wann". Je präziser Du sagst wie Du es willst, desto brauchbarer das Ergebnis.

4. Wo Codex überall lebt

Es gibt Codex im Browser, in der Desktop-App für Mac und Windows, als Erweiterung für Deinen Editor, als Kommandozeilen-Werkzeug fürs Terminal und in der Cloud für Läufe, die ohne Dich weiterarbeiten.

Ein Punkt, an dem viele hängenbleiben: die Desktop-App ist seit Juli nicht mehr eine eigene Codex-App, sondern die ChatGPT-App, in der Codex einer von drei Bereichen ist. Wer nach einem separaten Download sucht, sucht vergeblich. Und die Kommandozeilen-Variante lebt weiter als eigenes Werkzeug, die wurde nicht mit eingesammelt.

Ein Punkt, den man hier sauber trennen muss, weil er oft verwechselt wird. Es gibt zwei verschiedene Fragen: Wo läuft die Arbeit? und Was verlässt Deinen Rechner?

Die Cloud-Variante rechnet auf OpenAIs Maschinen, Dein Rechner bleibt unberührt. Das Terminal-Werkzeug und die Editor-Erweiterung laufen dagegen bei Dir und können Deine Dateien tatsächlich ändern und Befehle ausführen. Das ist der Unterschied beim Ausführungsort.

Der Unterschied bei den Daten ist ein anderer: In allen Varianten geht der Inhalt, den das Modell braucht, an OpenAI. Lokal ausgeführt heißt nicht lokal verarbeitet. Wer "ich halte die Dateien lokal" mit "es verlässt nichts meinen Rechner" gleichsetzt, irrt sich, und bei vertraulichen Unterlagen ist dieser Irrtum teuer.

Ein Tipp: Für die erste Woche reicht der Browser, da musst Du nichts installieren. Die Desktop-App lohnt sich, wenn Du mehrere Aufgaben nebeneinander laufen lässt. Am ersten Tag reicht eine Oberfläche.

5. Codex für nicht-Code-Sachen nutzen

Das ist der Schritt den die meisten überspringen. Der Name klingt nach "ist nur für Programmierer", aber in der Praxis nutze ich Codex mehr für Excel-Aufräumen, PDF-Zusammenfassungen, Rechercheberichte mit Quellen, Übersetzungen mit Konsistenzprüfung, Notion-Umbauten und Bug-Report-Sortieren als für echten Code.

Ein Tipp: Schreib Dir drei Aufgaben auf die Du jede Woche von Hand machst und nicht mehr machen willst. Gib sie zwei Wochen lang Codex. Eine davon kommt nie wieder auf Deinen Tisch.

6. Die Limits verstehen, bevor Du zahlst

Codex kostet nichts extra, es steckt im Plan. Das ist die einfache Hälfte. Die Hälfte, an der Leute wirklich hängenbleiben, ist die Art der Begrenzung, und die ist wichtiger als jede Zahl.

Es sind zwei Deckel gleichzeitig, nicht einer. Ein rollendes Fenster über wenige Stunden, und darüber eine Wochenkappe. Du kannst also am Dienstag alles richtig machen, nirgends an den Stundendeckel stoßen, und trotzdem am Freitag stehen, weil die Woche voll ist. Wer nur den kleineren Deckel im Kopf hat, plant falsch.

Der zweite Hebel ist die Modellstufe. Dieselbe Aufgabe kostet Dich auf der schnellen Stufe ein Vielfaches weniger Kontingent als auf der stärksten. Für Routine ist die kleinere Stufe deshalb nicht der Kompromiss, sondern die richtige Wahl.

Konkrete Kontingente nenne ich hier bewusst nicht. Sie haben sich in diesem Jahr mehrfach geändert, zuletzt Anfang August, und eine Zahl in einem Playbook ist genau so lange richtig wie bis zur nächsten Anpassung. Die aktuellen Werte stehen bei OpenAI selbst.

Ein Tipp: Fang kostenlos an, jetzt wo das geht. Zwei Wochen echt benutzen, dabei mitzählen, wie oft Du wirklich anstößt. Erst danach upgraden, und dann auf die Stufe, die Dein tatsächlicher Verbrauch zeigt. Vorsorglich upgraden ist die teuerste Art, diese Frage zu beantworten.

7. GitHub nur anbinden wenn Du wirklich Code-Aufgaben hast

Nicht-Code-Aufgaben brauchen kein GitHub. Der Connector existiert damit Codex Repositories lesen, reviewen und ändern kann, aber das ist für den ersten Monat nicht nötig. Bleib beim Upload von einzelnen Dateien, das reicht für 90 Prozent aller Anwendungen.

Ein Tipp: Wenn Du Code-Tasks wirklich testen willst, häng zuerst ein kleines privates Test-Repo an. Lass Codex einen winzigen Change reviewen, schau wie sich das anfühlt, bevor Du ihn an was Wichtiges lässt.

8. Das Gedächtnis-Problem lösen

Das ist die größte Falle beim Wechsel von ChatGPT. ChatGPT baut sich über die Zeit ein Bild von Dir, Codex nicht. Ein neuer Thread hat kein persönliches Langzeitgedächtnis, das mitwächst. Projektwissen dagegen kannst Du hinterlegen, und genau das ist der Hebel. Zwei ehrliche Lösungen. Die einfache: Leg eine Datei namens AGENTS.md in Deinem Arbeitsordner an und schreib Deine Projekt-Fakten hinein. Achte auf die Schreibweise, Codex sucht genau diesen Namen und liest ihn beim Start von selbst. Eine Datei, die anders heißt, musst Du in jeder Sitzung von Hand erwähnen, und genau das vergisst man. Die komplette Lösung: Hänge externen Speicher per MCP an. MCP ist ein Protokoll, das Codex nativ versteht, damit Deine Fakten und Entscheidungen in Claude, Codex und Deinen anderen Werkzeugen gleichzeitig verfügbar sind.

Ein Tipp: Fang diese Woche mit der Markdown-Datei an. Das fängt den Schmerz schon zu 80 Prozent ab. Mit MCP beschäftig Dich erst wenn Du die Lücke wirklich spürst.

Wenn Du aus einem anderen Werkzeug kommst, lohnt vor dem Abtippen ein Blick in die Befehlsliste Deiner Codex-Version: es gab zwischenzeitlich einen Import für vorhandene Notizen aus Cursor und Claude Code. Ob er in Deiner Version steckt und wie er heißt, sagt Dir die Anwendung selbst zuverlässiger als dieses Playbook. Den Rest dieses Schritts brauchst Du ohnehin, denn importiert ist nicht gepflegt.

9. Das Cloud-Ausführungs-Modell akzeptieren

Jedes Mal wenn Du auf "Code" klickst, läuft Deine Aufgabe in einem isolierten Cloud-Container der nach Abschluss weggeworfen wird. Deswegen dauern Aufgaben ein bis zwei Minuten, und deswegen musst Du Dir keine Sorgen machen dass Codex Deinen lokalen Rechner anfasst wenn Du ihn im Browser benutzt. Das Ergebnis bleibt, der Container nicht.

Ein Tipp: Starr nicht auf den Spinner. Task starten, anderen Tab aufmachen, oder aufs Handy wechseln, zurückkommen wenn er fertig ist. Codex ist async gebaut, benutz ihn auch so.

10. Eine kleine Gewohnheit bauen, kein Riesen-Projekt

Der schnellste Weg Codex in Deinen Alltag zu bringen: Ersetz eine wiederkehrende manuelle Aufgabe durch ihn. Nicht zehn, nicht einen ganzen Workflow, nur eine. Montag-Morgen Inbox zu Aktionsliste. Freitag-Wochenbericht. Jeden Mittwoch die KPIs aufräumen. Nimm die kleinste wiederkehrende Sache die Du wirklich machst und gib sie Codex für zwei Wochen.

Ein Tipp: Wenn die erste Gewohnheit sitzt, leg die nächste dazu. Stapeln ist was aus einem Tool, das Du einmal geöffnet hast, eines macht auf das Du Dich verlässt.

Was kommt als nächstes

Wenn Du diese zehn Schritte gemacht hast, kennst Du Codex gut genug um zu entscheiden ob er dauerhaft in Deinem Setup bleibt. Die ehrliche Schwäche ist das fehlende Gedächtnis zwischen Sessions. Die ehrliche Lösung, ohne dass Du was Neues kaufen musst, ist der MCP-Weg.

Wenn Du da weiter willst, schau in das Playbook „Memory portabel nutzen" oder direkt in Level 4 der Academy. Da zeigen wir wie externer Speicher in Codex, Claude und Cursor gleichzeitig funktioniert. Eine Wahrheit, viele Clients. Das ist was Codex allein nicht bietet.

Für jetzt: öffnen, eine Aufgabe rein, zwei Wochen durchziehen. Der Rest kommt von selbst.

Quellen

Oberflächen und Pläne ändern sich bei OpenAI schneller als jede Anleitung. Die Beschreibung oben hat den Stand vom 9. August 2026. Wo eine Zahl schnell veraltet, steht hier bewusst der Mechanismus statt der Zahl.

Von ChatGPT zu Codex. Anleitung in 10 Schritten — StudioMeyer Academy