← Alle Playbooks
Playbook· setup

Einen Deep-Research-Auftrag formulieren, damit der Bericht auch was taugt

Deep Research liefert Dir einen Bericht mit dutzenden Quellen. Ob der brauchbar ist, entscheidest Du in den zwei Minuten davor. Zehn Schritte vom vagen Stichwort zum Auftrag, aus dem ein Ergebnis wird das Du wirklich verwenden kannst.

Die Deep-Research-Modi der großen KI-Tools funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip. Du stellst eine große Frage, das Tool verschwindet für ein paar Minuten bis zu einer dreiviertel Stunde, zerlegt Deine Frage in Teilfragen, sucht zu jeder davon, liest ganze Seiten und legt Dir am Ende einen strukturierten Bericht mit Fußnoten hin. Oft mehrere tausend Wörter.

Was mir dabei auffällt: fast alle Anleitungen dazu erklären, welches Tool das beste ist. Das ist die uninteressante Frage. Die interessante ist, warum derselbe Modus einmal einen Bericht liefert den Du sofort verwenden kannst, und beim nächsten Mal fünftausend Wörter Soße in der nichts Verwertbares steht. Der Unterschied liegt fast immer im Auftrag, nicht im Tool.

Hier sind zehn Schritte für den Auftrag. Um das Prüfen des fertigen Berichts geht es hier bewusst nur am Rand, dafür gibt es Eine KI-Antwort faktenchecken. Dieses Playbook setzt eine Stufe früher an.

Schritt 1, entscheide ob es überhaupt Deep Research braucht

Deep Research ist teuer in Zeit und in Kontingent. Bei allen Anbietern ist die Zahl der Läufe begrenzt, und die Grenzen ändern sich ständig, deshalb steht im Produkt selbst ein Zähler. Schau da rein, bevor Du einen Lauf für etwas verbrennst das eine normale Frage auch beantwortet hätte.

Die Faustregel die bei mir funktioniert: wenn Du die Antwort in zwei bis drei Suchanfragen selbst finden könntest, nimm den normalen Chat mit Websuche. Deep Research lohnt sich dann, wenn Du eine Frage hast die aus mehreren Teilfragen besteht und Du nicht mal genau weißt, welche Teilfragen das sind. Also Marktüberblick, Anbietervergleich, Einarbeitung in ein fremdes Feld. Nicht "was kostet Tool X".

Schritt 2, schreib die Frage als Entscheidung auf, nicht als Stichwort

Der häufigste Fehler ist ein Thema statt einer Frage. "Projektmanagement-Software" ist ein Thema. Das Tool weiß dann nicht, worauf es zusteuern soll, und liefert Dir eine Enzyklopädie.

Formulier stattdessen die Entscheidung die Du treffen musst. Also nicht "Projektmanagement-Software", sondern "Welche Projektmanagement-Software passt für ein Team aus vier Leuten, das hauptsächlich Kundenprojekte mit festen Deadlines fährt und bisher mit geteilten Tabellen arbeitet?" Das ist länger, und genau deswegen funktioniert es. Jedes zusätzliche Detail engt den Suchraum ein.

Schritt 3, grenz den Rahmen aktiv ein

Ein Research-Agent nimmt alles was er findet, auch zehn Jahre alte Blogposts und Quellen aus Märkten die mit Deinem nichts zu tun haben. Das musst Du ihm sagen.

Vier Angaben lohnen sich fast immer. Der Zeitraum ("nur Quellen aus den letzten achtzehn Monaten"), die Region ("Anbieter die im DACH-Raum verfügbar sind, mit Rechnungsstellung in Euro"), die Art der Quellen ("bevorzugt Herstellerdokumentation und unabhängige Tests, keine Affiliate-Vergleichsseiten") und die Sprache. Der Punkt mit den Affiliate-Seiten ist ernst gemeint, bei Software- und Produktfragen besteht sonst die halbe Quellenliste daraus.

Schritt 4, sag welche Form das Ergebnis haben soll

Wenn Du nichts sagst, bekommst Du Fließtext. Das ist die Standardform, und bei vielen Fragen ist sie die falsche. Ein bekanntes Muster dieser Modi ist, dass eine Frage deren Antwort eigentlich eine Tabelle ist, trotzdem erzählt wird. Sechs Anbieter in Prosa nebeneinander, unlesbar.

Also schreib die Form in den Auftrag. "Ergebnis als Vergleichstabelle mit den Spalten Anbieter, Preis pro Nutzer, DSGVO-Standort, Einschränkungen, danach maximal eine Seite Fließtext mit Deiner Empfehlung." Du kannst das auch hinterher nachfordern, aber im Auftrag kostet es Dich nichts.

Schritt 5, pruef den Rechercheplan bevor er losrennt

Manche Tools zeigen Dir vor dem Start einen Plan, also die Teilfragen die sie abarbeiten wollen, und lassen Dich den bearbeiten. Wenn Dir das angeboten wird, nutz es. Diese dreißig Sekunden sind der wirksamste einzelne Hebel im ganzen Ablauf.

Du siehst dort sofort, ob das Tool Deine Frage verstanden hat. Wenn vier von sechs Teilfragen an Deinem eigentlichen Problem vorbeigehen, korrigierst Du das jetzt, statt zwanzig Minuten später einen Bericht wegzuwerfen. Wo es keinen Plan zu sehen gibt, kannst Du ihn erzwingen, indem Du in den Auftrag schreibst, dass die Teilfragen zuerst genannt werden sollen.

Schritt 6, lass es laufen und mach was anderes

Klingt banal, ist es nicht. Diese Läufe dauern je nach Tool und Frage wenige Minuten bis knapp eine Stunde. Wer daneben sitzt und wartet, bricht ab und startet neu mit einer leicht anderen Formulierung, und verbrennt dabei zwei Läufe für ein Ergebnis.

Formulier den Auftrag sorgfältig, starte ihn, und leg das Fenster weg. Wenn Du parallel arbeiten willst, ist genau das die Stelle an der Du den zweiten Lauf aus Schritt 9 gleich mitstartest.

Schritt 7, lies den Bericht rückwärts

Wenn der Bericht da ist, fang nicht oben an. Fünftausend Wörter von vorne zu lesen ist der sicherste Weg, um am Ende beeindruckt und trotzdem nicht schlauer zu sein.

Lies zuerst die Schlussfolgerung. Dann pruef, ob die Zwischenüberschriften wirklich Deine Frage abdecken oder ob das Tool unterwegs abgedriftet ist. Erst dann liest Du die Abschnitte, die für Deine Entscheidung zählen. Bei den meisten Berichten sind das zwei von neun. Der Rest ist Vollständigkeit, nicht Erkenntnis.

Schritt 8, markier die tragenden Behauptungen

In jedem Bericht gibt es ein paar Sätze, auf denen Deine Entscheidung tatsächlich steht. Eine Preisangabe, eine Rechtslage, eine Zahl zur Marktgröße. Meist drei bis fünf Stück.

Diese markierst Du. Nur diese prüfst Du dann wirklich nach, und zwar indem Du die zugehörige Quelle anklickst und nachliest ob dort steht was der Bericht behauptet. Das ist wichtiger als es klingt: der häufigere Fehler ist nicht die frei erfundene Quelle, sondern die echte Quelle der etwas untergeschoben wird was sie nicht sagt. Ein Link der funktioniert ist also noch kein Beleg. Unabhängige Benchmarks messen inzwischen genau diese Zitat-Treue, und kein Anbieter liegt dort bei hundert Prozent.

Schritt 9, jag dieselbe Frage durch ein zweites Tool

Das ist der Schritt der am meisten bringt und am seltensten gemacht wird. Nimm denselben Auftrag, gib ihn einem zweiten Anbieter, und leg die beiden Berichte nebeneinander.

Wo beide dasselbe sagen, kannst Du ziemlich entspannt sein. Wo sie sich widersprechen, hast Du in zwei Minuten die Stellen gefunden an denen Du selber nachschauen musst. Genau diese Divergenzen würdest Du in einem einzelnen Bericht nie bemerken, weil jeder Bericht für sich geschlossen und sicher klingt. Und das ist ein zweites bekanntes Muster: bei Themen, die in der Fachwelt umstritten sind, mitteln diese Modi über ihre Quellen und präsentieren einen Konsens, den es so gar nicht gibt.

Schritt 10, schreib den Text am Ende selbst

Der Bericht ist Rohmaterial. Wenn daraus eine Kundenmail, ein Angebot, ein Blogartikel oder eine Entscheidungsvorlage wird, schreibst Du die selbst, auf Basis der geprüften Teile.

Das ist keine Stilfrage, sondern eine Haftungsfrage. In dem Moment wo Du den Text weitergibst, stehst Du für jede Zahl darin gerade, nicht das Tool. Und praktisch gesehen: der Teil des Berichts den Du wirklich brauchst ist fast immer kurz genug, dass Eigenschreiben schneller geht als Umschreiben.

Was als nächstes

Wenn Du verstehen willst, warum diese Berichte so souverän klingen und trotzdem danebenliegen können, ist die Lektion zu Halluzinationen in Level 1 die passende Grundlage. Und wenn Du wissen willst, welches der großen Tools überhaupt welche Recherche-Fähigkeiten mitbringt, schau in Tools in AI in Level 2. Für das systematische Prüfen des Ergebnisses bleibt Eine KI-Antwort faktenchecken der direkte Anschluss an dieses Playbook.

Quellen

Die Deep-Research-Funktionen ändern sich schnell, vor allem bei Kontingenten und Preisen. Deshalb stehen hier bewusst keine konkreten Zahlen dazu im Text, sondern nur die Herstellerseiten, auf denen der jeweils aktuelle Stand steht.

  • Gemini Deep Research, Herstellerübersicht: https://gemini.google/overview/deep-research/
  • Claude Research, Dokumentation von Anthropic: https://support.claude.com/en/articles/11088861-using-research-on-claude
  • Für ChatGPT und Perplexity findest Du den jeweils aktuellen Funktionsumfang und die Limits im Produkt selbst, im Tarif-Bereich Deines Kontos. Beide Anbieter blocken automatisierte Abrufe ihrer Ankündigungsseiten, deshalb steht hier kein direkter Link.
Einen Deep-Research-Auftrag formulieren, damit der Bericht auch was taugt — StudioMeyer Academy