Von ChatGPT zu Claude — Anleitung in 10 Schritten
Kein Terminal, kein Tech-Talk. Zehn Schritte, jeder mit einer einfachen Erklärung und einem Tipp.
Wenn Du ChatGPT schon seit Monaten nutzt und immer wieder "probier mal Claude" hörst, aber nicht weisst wo Du anfangen sollst, ist das hier für Dich. Kein Vergleich welches besser ist, kein Marketing. Einfach zehn Schritte, von "noch nie benutzt" zu "läuft bei mir so wie vorher ChatGPT". Ich schreib das so, wie ich es meinem Bruder erklären würde.
1. Claude holen
Geh auf claude.ai im Browser. Oben rechts gibt es den Download-Knopf für Desktop-App (Mac und Windows) und den Link zur mobilen App. Browser reicht auch komplett, Du musst nichts installieren. Die Desktop-App hat einen Vorteil: Du kannst Dateien von Deinem Rechner direkt reinziehen und Claude kann sie lesen.
Ein Tipp: Fang im Browser an. Installier die Desktop-App erst wenn Du merkst dass Du Claude wirklich regelmäßig nutzt. Sonst liegt sie ungenutzt in Deinen Programmen und Du bleibst eh bei ChatGPT.
2. Account anlegen
Login mit Google oder E-Mail-Adresse. Gratis-Account reicht für die ersten zwei Wochen. Der unterscheidet sich vom Pro-Account hauptsächlich durch die Menge an Nachrichten pro Stunde und den Zugang zu grösseren Modellen.
Ein Tipp: Nimm die gleiche E-Mail wie bei ChatGPT. Nicht weil Du was importieren würdest (geht nicht automatisch), sondern damit Du Deine Accounts nicht durcheinander bringst. Password-Manager danken es.
3. Erste Unterhaltung — genau wie ChatGPT
Tippfeld unten, Frage rein, Antwort bekommen. Das ist die gleiche Mechanik. Claude hat keinen Onboarding-Flow, keine Tutorial-Nachrichten, keinen Gimmick. Du landest direkt in einem leeren Chat.
Ein Tipp: Probier Deine erste Frage aus einer echten Aufgabe aus dieser Woche, nicht aus einem generischen "erkläre mir AI" Test. Du willst wissen ob Claude zu Deiner Arbeit passt, nicht ob es die Standard-Benchmarks kann.
4. Optional — ChatGPT-Verlauf exportieren
Wenn Du in ChatGPT viel gesammelt hast was Du nicht verlieren willst, geh dort in die Einstellungen, unter "Data Controls" auf "Export Data". Du bekommst eine Mail mit einem ZIP-Download. Drin sind all Deine Chats als JSON und HTML.
Ein Tipp: Mach das am Anfang, bevor Du überhaupt entscheidest ob Du wirklich wechselst. Der Export dauert ein paar Stunden bei OpenAI, und Du willst den fertig haben bevor Du ChatGPT irgendwann kündigst. Das Archiv auf die eigene Festplatte packen, nicht nur als Mail-Anhang liegen lassen.
5. Optional — das Wichtigste aus ChatGPT mitnehmen
Automatischen Import von ChatGPT zu Claude gibt es nicht. Was funktioniert: Lass ChatGPT selbst eine Zusammenfassung Deiner wichtigsten Themen schreiben ("fass mir in 500 Wörtern zusammen was Du über mich weisst und was meine wichtigsten laufenden Projekte sind"), kopier das Ergebnis in Claude als ersten Kontext-Prompt.
Ein Tipp: Nicht zehn Jahre Chat-Verlauf copy-pasten. Das wäre zu viel Kontext und macht Claude eher schlechter. Ein sauberer halber DIN-A4 mit Deinen wichtigsten laufenden Themen schlägt ein 50-seitiges Archiv.
6. Projects nutzen — Ordnung schaffen
Claude hat links eine Sidebar. Dort kannst Du "Projects" anlegen. Ein Projekt ist ein Ordner für ein Thema, mit eigenen Instructions, eigenen Dateien und eigenen Chats. Wenn Du einen Kunden hast, ein laufendes Buchprojekt, oder eine wiederkehrende Aufgabe, dann leg dafür ein Projekt an.
Ein Tipp: Ein Projekt "Alltag" für alle Fragen die Dir täglich einfallen, und für jedes grössere Vorhaben ein eigenes. Nicht mit 30 Projekten starten, sondern mit zwei und anlegen was Du wirklich brauchst.
7. Sag Claude wer Du bist
Öffne in einem Projekt oben rechts "Project Instructions". Da schreibst Du in zwei bis drei Absätzen wer Du bist, was Du machst, wie Du schreibst, was Du nicht willst. Ganz normales Deutsch, keine Templates, keine magischen Keywords.
Beispiel: "Ich bin freiberuflicher Marketer mit eigenem Laden seit 2019. Ich schreibe knapp und ohne Phrasen. Ich hasse Sätze die mit 'In einer Welt in der' anfangen. Wenn Du mir Texte vorschlägst, dann in meinem Stil, nicht in Marketing-Sprache."
Ein Tipp: Das ist der eine Schritt der den grössten Unterschied macht. Ohne Instructions klingt Claude wie jeder LLM, mit Instructions klingt er wie ein Kollege der Dich kennt. Sag Du statt Sie, wenn Du das willst.
8. Erste echte Aufgabe probieren
Nimm etwas was Du diese Woche eh machen musst. Einen Text gegenlesen, ein E-Mail entwerfen, eine Präsentation gliedern, eine Tabelle kommentieren. Zieh die Datei in das Chat-Fenster oder kopier den Text rein.
Ein Tipp: Sei konkret mit dem was Du willst. "Lies das und sag mir was nicht passt" ist besser als "verbessere das". Claude macht was Du sagst, und wenn Du "verbessere" sagst, schreibt er oft Dinge um die gar nicht kaputt waren.
9. Artifacts — die versteckte Stärke
Wenn Du Claude bittest einen längeren Text, einen Plan, eine Tabelle oder Code zu produzieren, packt Claude das Ergebnis in ein eigenes Fenster rechts daneben, ein sogenanntes Artifact. Das kannst Du direkt weiter bearbeiten, runterladen, oder nochmal anpassen ohne dass der ganze Chat explodiert.
Ein Tipp: Wenn Claude ein Artifact erzeugt, bleib in dem Artifact und sag "ändere im zweiten Absatz X". Du musst nicht jedes Mal alles neu beschreiben. Das spart Zeit und macht aus Claude einen Co-Writer statt einem Auskunftsautomaten.
10. Den täglichen Schritt bauen
Die Sache die fast alle vergessen: Du brauchst eine Angewohnheit, nicht ein Tool. Bei ChatGPT hattest Du die irgendwann automatisch, bei Claude musst Du sie neu bauen. Leg eine Aufgabe fest die Du jetzt jeden Tag in Claude machst. Morgen-Inbox zu Aktionsliste. Freitag-Wochenrückblick. Montag-Planung. Eine Sache, zwei Wochen durchziehen.
Ein Tipp: Wenn die erste Gewohnheit sitzt, leg die zweite dazu. Erst Stapeln macht aus einem Tool, das Du ein paar mal benutzt hast, eines auf das Du Dich verlässt.
Was kommt nach diesen zehn Schritten
Wenn Du diese Liste durchziehst, hast Du Claude in zwei Wochen auf dem gleichen Level wie Dein bisheriges ChatGPT. Ab da wird es interessant. Claude hat eine Sache die ChatGPT nicht hat: eine ernsthafte Möglichkeit, externen Speicher anzubinden, damit Claude Dich auch zwischen Chats wiedererkennt. Das geht über etwas was sich MCP nennt, Model Context Protocol. Klingt technisch, ist es nicht.
Wenn Du da weitergehen willst, lies als nächstes Playbook „Memory portabel nutzen" oder starte mit Level 4 der Academy. Da zeigen wir wie Du Claude ein Gedächtnis gibst das sich über Monate aufbaut. Das ist der Schritt der aus "ich benutz Claude" zu "Claude ist Teil meines Setups" wird.
Für jetzt reicht das. Claude ist einfach. Fang an, finde eine Aufgabe, bau eine Gewohnheit.