← Level 1
Level 1· Lektion 12 von 13

Datenschutz für AI-Einsteiger: Was darf ich eigentlich eingeben?

Bevor du deinen Lebenslauf, Kundendaten oder private Chats in ChatGPT oder Claude kippst: eine ehrliche Erklärung, was mit deinen Eingaben passiert und wie du die Trainings-Nutzung abschaltest.

Die erste Frage die mir jeder stellt der neu mit AI anfängt ist nicht "wie schreibe ich einen guten Prompt". Es ist "darf ich da überhaupt meinen echten Namen reinschreiben". Gute Frage. Die meisten wissen nämlich nicht, dass ihre Eingaben bei den Standard-Einstellungen von ChatGPT als Trainingsmaterial benutzt werden. Nicht heimlich, es steht in den AGB, aber halt so, dass es keiner liest.

Diese Lesson räumt damit auf. Kein Panik-Modus, kein "AI ist böse", sondern konkret: was passiert mit dem was du eintippst, wo ist die Grenze, und mit drei Klicks schaltest du die Trainings-Nutzung ab.

Was "Training" überhaupt bedeutet

Wenn ein Modell wie GPT-5 oder Claude gebaut wird, wird es mit riesigen Textmengen gefüttert. Danach kommt die Feinschliff-Phase, und da fließen bei den Consumer-Versionen auch echte Nutzergespräche ein. Das heißt: was du heute in den Chat tippst, kann in einer späteren Modell-Version mit drin sein. Nicht wortwörtlich als Zitat, sondern verarbeitet, aber die Information war da.

Der wichtige Punkt den viele falsch verstehen: das ist ein Einbahn-Ticket. Wenn deine Eingabe erstmal in einem abgeschlossenen Trainingslauf verarbeitet wurde, kannst du sie da nicht mehr rausholen. Ein späteres Opt-out wirkt nur nach vorne, nicht rückwirkend. Deshalb ist die richtige Reihenfolge: erst Einstellungen prüfen, dann sensible Sachen eingeben. Nicht umgekehrt.

Was du besser NICHT reinschreibst

Egal welche Einstellung: es gibt Kategorien die grundsätzlich nicht in einen Consumer-Chatbot gehören. Passwörter und Zugangsdaten sind offensichtlich. Aber auch: Ausweisnummern, komplette Kontonummern, Gesundheitsdaten von dir oder anderen, und vor allem personenbezogene Daten von Dritten die dir nicht gehören.

Der letzte Punkt ist der, den Leute im Job am häufigsten übersehen. Wenn du eine Kunden-Mail in ChatGPT reinkopierst um eine Antwort formulieren zu lassen, gibst du die Daten deines Kunden an einen Dritten weiter. Wenn dein Arbeitgeber dafür keine Freigabe erteilt hat und keinen Vertrag mit dem Anbieter hat, ist das im Zweifel ein DSGVO-Problem. Nicht deins persönlich, aber eins das teuer werden kann. Faustregel: alles was du nicht auf eine Postkarte schreiben würdest, gehört anonymisiert oder gar nicht rein.

ChatGPT: der versteckte Schalter

Bei ChatGPT ist es bei kostenlosen Konten sowie Plus und Pro so, dass deine Gespräche standardmäßig zum Verbessern der Modelle genutzt werden. Das ist die Default-Einstellung, du musst aktiv widersprechen.

Der Weg dahin: Einstellungen, dann Datenkontrolle (Data Controls), dann den Schalter "Das Modell für alle verbessern" auf AUS. Ab dem Moment werden neue Unterhaltungen nicht mehr fürs Training verwendet. Wichtig: das gilt nur nach vorne, alte Gespräche die schon in einem Trainingslauf waren bleiben drin.

Es gibt noch eine zweite Option die kaum jemand kennt: den temporären Chat. Der wird nach 30 Tagen gelöscht, hat keine Historie, kein Gedächtnis und wird nie fürs Training benutzt. Für eine schnelle Frage mit sensiblem Inhalt ist das der sauberste Weg, ohne an den Einstellungen zu drehen.

Und der große Unterschied: die Business-Varianten. ChatGPT Team, Enterprise und die API trainieren standardmäßig NICHT auf deinen Daten. Wenn du beruflich viel mit AI arbeitest, ist das der eigentliche Grund für ein Team-Konto, nicht die paar Extra-Features.

Claude: seit August 2025 auch Opt-out

Bei Claude von Anthropic war das lange anders, aber im August 2025 kam eine Änderung. Für Consumer-Konten ist es jetzt ebenfalls eine Opt-out-Regelung. Wer nicht aktiv widerspricht, dessen neue und wieder aufgenommene Chats plus Coding-Sessions können fürs Training genutzt werden.

Der Unterschied liegt in der Aufbewahrung. Wenn du der Trainings-Nutzung zustimmst, werden deine Daten bis zu fünf Jahre gespeichert. Wenn du widersprichst, sind es 30 Tage. Das ist ein deutlicher Unterschied, und der Schalter dafür sitzt in den Privatsphäre-Einstellungen (Privacy Settings).

Zwei Dinge zur Ehrlichkeit: Erstens, Gespräche die aus Sicherheitsgründen markiert wurden, können unabhängig von deiner Einstellung weiter verwendet werden. Zweitens, die kommerziellen Varianten Claude for Work Team und Enterprise sind von der Trainings-Nutzung ausgenommen, genau wie bei OpenAI.

Der praktische Test bevor du eintippst

Bevor du etwas Sensibles eingibst, geh diese drei Fragen durch. Gehören die Daten mir selbst, oder einer anderen Person? Wenn sie einer anderen Person gehören und ich keine Freigabe habe: nicht rein, oder vorher anonymisieren. Habe ich die Trainings-Nutzung für dieses Konto ausgeschaltet? Wenn nein und es ist wichtig: erst ausschalten oder temporären Chat nutzen. Würde es mir schaden wenn dieser Text in zwei Jahren irgendwo in einem Modell steckt? Wenn ja: anonymisieren.

Das klingt umständlich, wird aber nach drei Tagen Reflex. Und der große Gewinn: du kannst AI dann ohne schlechtes Gewissen benutzen, weil du weißt wo die Grenze liegt.

Was als Nächstes

Du weißt jetzt, was mit deinen Eingaben passiert und wie du die Trainings-Nutzung abschaltest. Damit bist du dem Großteil der AI-Nutzer voraus, die das nie eingestellt haben. Wenn du AI konkret für deine Bewerbung nutzen willst, schau dir das Playbook zur Bewerbung mit AI an, dort gehen wir Schritt für Schritt durch Lebenslauf und Anschreiben, mit genau dieser Datenschutz-Vorsicht eingebaut.

Source

Die Angaben zu den Datenrichtlinien wurden gegen die offizielle Dokumentation der Anbieter geprüft (Stand Juli 2026):

  • OpenAI Data Controls FAQ: https://help.openai.com/en/articles/7730893-data-controls-faq
  • OpenAI, How your data is used to improve model performance: https://openai.com/policies/how-your-data-is-used-to-improve-model-performance/
  • Anthropic, Updates to our Consumer Terms (August 2025): https://www.anthropic.com/news/updates-to-our-consumer-terms
Du liest ohne Account. Login speichert Deinen Fortschritt, damit Du beim nächsten Mal direkt weitermachen kannst. Einloggen →